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von Daniel Pipes
Jerusalem Post
21. Juli 2008

Israel hat in den letzten sechzig Jahren intensiver gelebt als jedes andere Land.

Seine Hochpunkte – die Wiedererrichtung eines 2000 Jahre alten Staates im Jahre 1948, der eindeutigste militärische Sieg der Geschichte im Jahr 1967 und die erstaunliche Geiselbefreiung von Entebbe 1976 – sind Triumphe des Willens und Geistes gewesen, die die zivilisierte Welt inspirierten. Seine Tiefpunkte sind selbst herbeigeführte Erniedrigungen gewesen: der einseitige Rückzug aus dem Libanon und die Räumung des Josefsgrabes, beide im Jahr 2000; der Abzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005; die Niederlage durch die Hisbollah im Jahr 2006; und der Leichen-gegen-Gefangenen-Austausch mit der Hisbollah in der letzten Woche.

Ein Außenseiter kann sich über diese Gegensätze nur wundern. Wie können die Macher berauschender Siege wiederholt solche Schande über sich bringen, scheinbar blind gegenüber der Tragweite ihres Tuns?

Ein Anhaltspunkt hierzu hat mit Daten zu tun. Die Höhepunkte ereigneten sich in den ersten drei Jahrzehnten des Bestehens des Staates, die Tiefpunkte seit dem Jahr 2000. Es hat sich etwas Entscheidendes geändert. Der strategisch brillante, aber wirtschaftlich defizitäre frühe Staat ist durch das Gegenteil ersetzt worden. Die Meisterspione von früher, die militärischen Genies und die politischen Schwergewichte scheinen in den High-Tech-Bereich gegangen zu sein, was den Staat in den Händen korrupter, kurzsichtiger geistiger Zwerge beließ.

Wie anders kann man die Kabinettsitzung vom 29. Juni erklären, als 22 von 25 Ministern zugunsten der Freilassung von fünf lebendigen arabischen Terroristen stimmten, einschließlich des Psychopaten und berüchtigtsten Gefangenen israelischer Gefängnisse, Samir Kuntar (45), dazu 200 Leichen? Im Gegenzug bekam Israel die Leichen zweier israelischer Soldaten, die von der Hisbollah ermordet wurden. Selbst die Washington Post wunderte sich über diese Entscheidung.

Israels Premierminister Ehud Olmert befürwortete den Handel, weil dies „diese schmerzliche Episode zu Ende bringen wird”, was sich auf die Rückholung der Leichname von Kriegstoten und die Beruhigung der Forderungen nach einem Ende der Sache durch der Familien der Geiseln bezog. In sich sind das ehrbare Ziele, aber zu welchem Preis? Diese Verdrehung der Prioritäten zeigt, wie ein einst eindrucksvoll strategisches Land in ein vorwiegend sentimentales degeneriert ist, eine steuerlose Politik, wo von sich selbst eingenommener Egoismus über den raison d’être triumphiert. Die Israelis, die von Abschreckung und Appeasement gleichermaßen die Nase voll haben, sind vom Weg abgekommen.

So verheerend die Entscheidung des Kabinetts war, noch schlimmer ist, dass weder die Oppositionspartei Likud noch irgendeine andere führende öffentliche Institution Israels aufbegehrte, sondern (mit ein paar nennenswerten Ausnahmen) allgemein still daneben saßen. Ihre Abwesenheit spiegelt eine Umfrage des Tami Steinmetz Center wider, die zeigt, dass die Bevölkerung Israels den Austausch mit einer Rate von beinahe 2 zu 1 billigt. Kurz gesagt: Das Problem erstreckt sich weit über die Klasse der Offiziellen hinaus und bezieht die allgemeine Bevölkerung mit ein.

Auf der anderen Seite deckt die schändliche Feier des Babymörders Kuntar als nationalem Held im Libanon, wo die Regierung einen Tag frei machte, um seine Ankunft zu feiern, wie auch durch die palästinensische Autonomiebehörde, die ihn einen „heroischen Kämpfer” nannte, die Tiefen des libanesischen Hasses auf Israel und die Unmoral auf, die jeden beunruhigt, der sich um die arabische Seele sorgt.

Der Handel hat mehrere nachteilige Folgen. Er ermutigt arabische Terroristen sich weiterer israelischer Soldaten zu bemächtigen und sie dann zu töten. Sie geben dem Prestige der Hisbollah im Libanon Auftrieb und legitimiert sie international. Er ermutigt die Hamas und macht eine Abmachung um deren israelische Geisel problematischer. Während dieser Vorfall im Vergleich mit der iranischen Atomfrage klein erscheint, hängen die beiden zusammen.

Internationale Schlagzeilen der Art „Israel trauert, die Hisbollah jubelt” bestätigen die weithin vertretene, aber falsche Meinung des Nahen Ostens zu Israel als einem „Spinnennetz“, das zerstört werden kann. Der jüngste Tausch dürfte der jetzt schon apokalyptischen iranischen Führung weitere Gründe geben ihre Waffen zu schwingen. Schlimmer ist, wie Steven Plaut vermerkte, dass der Tausch über die Gleichsetzung von „Massemördern an jüdischen Kinder bis kämpfenden Soldaten” praktisch die „Massenvernichtung von Juden im Namen der jüdischer rassischer Unterlegenheit” rechtfertigt.

Denen, die sich um das Wohlergehen und die Sicherheit Israels sorgen, schlage ich als Trost zweierlei vor. Erstens, dass Israel ein starkes Land ist, das sich Fehler erlauben kann; es gibt sogar die Einschätzung, dass es einen atomaren Schlagabtausch mit dem Iran überleben würde, der Iran aber nicht.

Zweitens könnte die Affäre Kuntar ein überraschend glückliches Ende finden. Ein hochrangiger Vertreter Israels sagte gegenüber David Bedein, dass jetzt, wo er aus dem Gefängnis entlassen ist, Israels Verpflichtung Kuntar zu beschützen nicht mehr besteht; mit der Ankunft im Libanon wurde er „ein Ziel, das getötet werden kann. Israel wird ihn kriegen und er wird getötet werden … Rechnungen werden beglichen.” Ein weiterer Offizieller fügte hinzu: „Wir können diesen Mann nicht glauben lassen, dass er ohne Strafe für seinen Mord an einem vierjährigen Mädchen davon kommt.”

Wer wird zuletzt lachen, die Hisbollah oder Israel?

Samir Kuntar bei seiner Ankunft im Libanon. Mit Uniform der Hisbollah und dem Hitlergruß.

Keine Unterstützung durch die Rote Hilfe für den Initiativ e.V. -
für einen antifaschistischen Minimalkonsens

Die Ortsgruppe Bochum-Dortmund der bundesweiten, linken Solidaritätsorganisation Rote Hilfe stellte vor wenigen Wochen den Antrag an die Delegierten-Versammlung ihrer Organisation, dem Initativ e.V. die Unterstützung zu entziehen. Nun wird dieser Aufruf von Antifa-Gruppen aus dem Bundesgebiet unterstützt.

Dem Initativ e.V. wurde von staatlichen Behörden die Gemeinnützigkeit aberkannt. Dagegen möchte der Verein Rechtsmittel einlegen und hofft auf die ideelle und finanzielle Unterstützung der Roten Hilfe. Doch der in Duisburg ansässige Initativ e.V. sorgte in der Linken immer wieder für heftige Debatten. Insbesondere die Kampagne “10€ für den irakischen Widerstand” erfuhr heftige Proteste aus allen linken Strömungen. Bei der Kampagne wurde Geld für eine irakische Organisation gesammelt, die in ihrem Widerstand gegen die US-amerikanische Truppen auch Selbstmordattentate gutheißt sowie antisemitische Stereotype und nationalistische Propaganda verbreitet. Auch außerhalb dieser Kampagne arbeitet der Verein wiederholt mit reaktionären Gruppen zusammen bzw. ruft zur Unterstützung dieser auf; so findet sich vielfach ein positiver Bezug auf die Hamas auf den Internetseiten des Vereins. Für eine linke Solidaritätsorganisation sollte es ein absolutes Tabu sein, solche Organisationen zu unterstützen.

link zur Seite

Der israelische Soldat Gilad Shalit wurde vor 752 Tagen von der Terrororganisation Hamas in den Gaza-Streifen entführt. Er befindet sich noch immer in Geiselhaft.

Der freigelassene Mörder Kuntar wird ausgiebig und begeistert gefeiert

Zehntausende Libanesen, unter Ihnen höchste Staatsvertreter, haben in dieser Woche den mehrfachen Mörder Samir Kuntar wie einen Nationalhelden begrüßt und die Feierlichkeiten gehen weiter, nachdem der libanesische Druse im Rahmen eines Gefangenenaustauschs, zusammen mit vier weiteren Libanesen, aus israelischer Haft entlassen worden war.

Israels Präsident Peres, der Kuntar im Rahmen des Abkommens begnadigen musste, erzählte, dies sei ihm sehr schwer gefallen, zumal Kuntar seine Tat niemals bereut und niemals Mitgefühl für seine Opfer und die Hinterbliebenen geäußert habe.

An der israelisch-libanesischen Grenze wurden die ehemaligen Häftlinge mit Marschmusik, Ehrengarde und rotem Teppich empfangen. Kuntar trug eine Militäruniform. Anschließend wurden die fünf Libanesen per Hubschrauber nach Beirut geflogen. Dort warteten Zehntausende begeisterte Menschen auf sie, unter ihnen zahlreiche Amt- und Würdenträger.

Präsident Michel Suleiman sagte in einer Ansprache: “Eure Rückkehr ist ein Segen für uns alle.” Laut dem arabischen Sender “Al-Dschasira” sprach er von einem “neuen Sieg”. In Zukunft werde der Libanon Unabhängigkeit erlangen. “Ich sage Samir und seinen Begleitern, dass sie das Recht haben, stolz auf ihr Land, ihre Armee und ihren Widerstand zu sein”, so das libanesische Staatsoberhaupt.

Sogar Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah erschien zu diesem Anlass in der Öffentlichkeit. Er begrüßte jeden Rückkehrer mit einer Umarmung und rief seinen Anhängern zu: “Dieses Volk, diese Nation und dieses Land … können nicht geschlagen werden.” Den Gefangenenaustausch bezeichnete er als “großen Sieg” für den Libanon und für die Hisbollah-Bewegung. Der Widerstand dieser Organisation stelle “die wahre Identität” der Region dar. Durch Entführungen könne man Gefangene freibekommen. Er teilte der arabischen und islamischen Welt mit, dass noch 11.000 Palästinenser in Israel inhaftiert seien. Dies sei die Verantwortung der gesamten arabischen Welt.

Kuntar verspricht Fortsetzung des Kampfes gegen Israel

Kuntar dankte Allah dafür, dass er diesen “Tag der Siege” erreicht hatte. “Ich verspreche meinen Leuten und meinen Lieben in Palästina, dass ich und meine teuren Kameraden im tapferen islamischen Widerstand zurückkommen.”

Der 1962 geborene Kuntar befand sich seit 1979 wegen mehrfachen Mordes in israelischer Haft. Unter seinen Opfern waren auch zwei kleine Kinder. Er wurde zu 542 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er 28 Jahre verbüßt hat. Im Gefängnis wurde Kuntar das Studium der Soziologie ermöglicht. An der Open University von Tel Aviv erwarb er einen Abschluss in Soziologie. Der Titel seiner Doktorarbeit: “Der Widerspruch zwischen Sicherheitsbestrebungen und Demokratie in Israel.” Während seiner Haft wurde er regelmäßig von arabischen Aktivisten besucht. Eine israelische Araberin konnte er heiraten. Seine Frau erhält als Ehefrau eines Gefangenen eine Rente vom israelischen Staat. Nach Aussage der Anwältin und Gründerin des Mandela Institute for Human Rights in Ramallah, Buthaina Duqmaq, die Kuntar regelmäßig im Gefängnis besucht, hat Kuntar seine Taten nie bereut oder bedauert.

Die vier anderen im Austausch freigelassenen Libanesen waren im Krieg vor zwei Jahren in israelische Gefangenschaft geraten. Neben den fünf Häftlingen übergab Israel 199 Tote an die Hisbollah. Im Gegenzug erhielten die Israelis die Leichen der Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev, die vor zwei Jahren entführt worden waren, sowie zurückgebliebene Teile bereits in Israel bestatteter Gefallener aus dem Zweiten Libanonkrieg.

Kuntar war Anführer eines vierköpfigen, Kommandotrupps. Den Befehl zur Aktion hatte er vom später im Irak festgenommenen und inzwischen verstorbenen PLF-Chef Abu Abbas (nicht zu verwechseln mit dem jetzigen PA-Vorsitzenden Mahmud Abbas, genannt Abu Masen) erhalten.

Bei dem Überfall auf die nord-israelische Küstenstadt Naharijah, wurden am Sonntag, dem 22. April 1979, drei Zivilisten, darunter zwei Mädchen im Alter von zwei und vier Jahren, und zwei Polizisten getötet. Kuntar wurde von einem Zivilgericht in Tel Aviv wegen Mordes und Terrorismus zu einer vierfach lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt.

Kuntars Anhänger rühmen ihn und sprechen von einer “heldenhaften militärischen Operation, bei der fünf zionistische Agenten vernichtet wurden”. Kuntars edle Tat erleuchte die arabische Welt und kein Opfer sei zu hoch um diesen edlen Vertreter seines Volkes zu ehren und ihn fühlen zu lassen, dass er “ein Libanese par excellence” ist.

Um Kuntar zu befreien drang am 12. Juni 2006 eine Einheit der islamistischen Hisbolla in israelisches Gebiet ein, tötete drei israelische Soldaten und verschleppte - nicht weit von Naharija - die Reservisten Goldwasser und Regev. Auf der Suche nach den Verschleppten marschierten israelische Truppen in den Libanon ein. Die Hisbolla antwortete mit einem verstärkten Beschuss Galiläas mit Raketen.

Der Krieg dauerte 33 Tage. Auf libanesischer Seite kamen über 1.600 Menschen um, auf israelischer Seite waren es über 170 Tote.

Die Opfer unter der libanesischen Bevölkerung waren hoch, da die Hisbolla-Kämpfer hinter der Zivilbevölkerung Deckung suchten. In Israel, wo die Hisbolla zivile Zentren ganz gezielt unter Beschuss nahm, flohen 500.000 Menschen aus dem betroffenen Galiläa.

Es wurde bald klar, dass es kaum möglich sein wird, die Entführten zu befreien. Nach Kriegsende wiederholte die Hisbolla die Forderung nach Kuntars Freilassung im Austausch für die Gefangenen, von denen angenommen wurde sie seien noch am Leben.

Smadar Haran-Kaiser, die bei dem Überfall in Naharijah ihren Ehemann Dani und ihre beiden Töchter Einat (4) und Yael (2) verloren hatte, schrieb an Premier Olmert, sie stehe einer Freilassung des Mörders ihrer Familie nicht im Wege und wünsche sich das Glück der Familien Goldwasser und Regev.
Es ist ihr aber ein wichtiges Anliegen, dass die Welt erfährt, “was Kuntar uns angetan hat”

„Hier haben wir zwei brüderliche Länder, vereinigt wie eine einzige Faust”, sagte der sozialistische Hugo Chavez während eines Besuchs in Teheran im letzten November und feierte so seine Allianz mit dem Islamisten Mahmud Ahmadinedschad. Che Guevaras Sohn Camilo, der ebenfalls im letzten Jahr Teheran besuchte, erklärte, dass sein Vater „das Land in seinem gegenwärtigen Kampf gegen die Vereinigten Staaten unterstützt” haben würde. Sie folgen in den Fußstapfen Fidel Castros, der seinen Gastgebern beim Besuch 2001 sagte: „Iran und Kuba können in Zusammenarbeit Amerika in die Knie zwingen.” Ilich Ramírez SánchezL’islam révolutionnaire (Der revolutionäre Islam): „Nur eine Koalition der Marxisten und Islamisten kann die Vereinigten Staaten vernichten.” („Carlos der Schakal”) seinerseits schrieb in seinem Buch

Dennis Kucinich zitierte während seines ersten Wahlkampfs zur Präsidentschaftskandidatur 2004 den Koran und heizte eine muslimische Zuhörerschaft dazu „Allahu akbar” (Gott ist groß) zu skandiere; er verkündeteSpark, Jugendzeitung der britischen sozialistischen Arbeitspartei, pries Asif Mohammed Hanif, den britischen Selbstmordbomber, der Lokal in Tel Aviv attackierte, als „Helden der revolutionären Jugend”, der seine Mission „im Geist des Internationalismus” ausgeführt habe. Workers World, eine amerikanische kommunistische Zeitung, brachte einen Nachruf, der Imad Mughniyeh, den Meisterterroristen der Hisbollah rühmte. sogar: „Ich habe immer einen Koran in meinem Büro.”

Manche Linke gehen noch weiter. Einige sind tatsächlich zum Islam konvertiert – so Carlos der Schakal, Roger Garaudy, Jacques Vergès, Yvonne Ridley und H. Rap Brown. Andere antworten mit überschwänglicher Freude auf die Gewalt und Brutalität des Islamismus. Der deutsche Komponist Karlheinz Stockhausen nannte den 11. September „das großartigste Kunstwerk des gesamten Kosmos”; der verstorbene amerikanische Romancier Norman Mailer bezeichnete die Täter als „brillant”.

Nichts davon ist neu. Während des Kalten Krieges zogen die Islamisten die Sowjetunion den USA vor. Ayatollah Khomeini formulierte das 1964 so: „Amerika ist schlimmer als Großbritannien, Großbritannien ist schlimmer als Amerika und die Sowjetunion ist schlimmer als beide. Einer ist schlimmer als der andere, jeder ist abscheulicher als der andere. Aber heute kümmern wir uns um dieses boshafte Gebilde, das Amerika ist.” 1986 schrieb ich: „Die UdSSR erfährt nur einen kleinen Teil des Hasses und der Boshaftigkeit, die gegen die USA gerichtet sind.”

Die Linken zeigten sich erkenntlich, 1978/79 brachte der französische Philosoph Michel Foucault großen Enthusiasmus für die iranische Revolution zum Ausdruck. Janet Afary und Kevin B. Anderson erklären:

Sein Leben lang bedeutete für Michel Foucault sein Konzept der Authentizität, dass er Situationen betrachtete, wo Menschen gefährlich lebten und mit dem Tod flirteten, der Ort, wo die Kreativität entstand. In der Tradition von Friedrich Nietzsche und George Bataille hatte Foucault Künstler sich für Künstler begeistert, die an die Grenzen der Rationalität gehen; er schrieb mit viel Leidenschaft über die Verteidigung der Irrationalitäten, die neue Grenzen schufen. 1978 fand er solche Grenzen überschreitende Mächte in der Revolutionsfigur des Ayatollah Khomeini und der Millionen, die den Tod riskierten, als sie ihm auf dem Kurs der Revolution folgten. Er wusste, dass solche „Grenz”-Erfahrungen zu neuen Formen der Kreativität führen könnten und verteidigte sie leidenschaftlich.

Ein weiterer französischer Philosoph, Jean Baudrillard, porträtierte die Islamisten als Sklaven, die gegen eine repressive Ordnung rebellierten. Foucault nannte Ayatollah Khomeini 1978 einen „Heiligen” und ein Jahr später nannte ihn Jimmy Carters UNO-Botschafter Andrew Young „eine Art Heiliger”.

Dieser gute Wille mach überraschend erscheinen, wenn man die großen Unterschiede der beiden Bewegungen betrachtet. Kommunisten sind Atheisten und Linke säkular; die Islamisten richten Atheisten hin und setzen religiöses Recht durch. Die Linke verherrlichen die Arbeiter; der Islamismus privilegiert Muslime. Die einen träumen vom Arbeiter-Paradies, die anderen vom Kalifat. Sozialisten wollen Sozialismus; Islamisten akzeptieren den freien Markt. Marxismus beinhaltet die Gleichheit der Geschlechter; der Islamismus unterdrückt die Frauen. Linke verabscheuen die Sklaverei; einige Islamisten befürworten sie.Wie der Journalist Bret Stephens anmerkt, hat die Linke „die letzten vier Jahrzehnte der Verfechtung genau der Freiheiten gewidmet, denen der Islam entgegen steht: sexuelle und reproduktive Freiheiten, Schwulenrechte, Religionsfreiheit, Pronografie und verschiedene Formen künstlersicher Übertretungen, Pazifismus und so weiter”.

Diese Gegensätzlichkeiten scheinen die wenigen Ähnlichkeiten verblassen zu lassen, die Oskar Lafontaine, ehemaliger SPD-Vorsitzender, zu finden verstand: „Der Islam setzt auf die Gemeinschaft, damit steht er im Widerspruch zum übersteigerten Individualismus, dessen Konzeption im Westen zu scheitern droht. Der zweite Berührungspunkt ist, daß der gläubige Muslim verpflichtet ist zu teilen. Die Linke will ebenso, daß der Stärkere dem Schwächeren hilft.”

Warum dann die Bildung dessen, was David Horowitz die links-islamistische „unheilige Allianz” nennt? Es gibt vier Hauptgründe.

Der britische Politiker George Galloway erklärt den ersten: „Die progressive Bewegung in der ganzen Welt und die Muslime haben dieselben Feinde”, nämlich die westliche Zivilisation im allgemeinen und die USA, Großbritannien und Israel im besonderen, dazu die Juden, gläubig Christen und internationale Kapitalisten. Nach Angaben des politischen Analysten Said Laylaz aus Teheran, hat im Iran „die Regierung praktisch der Linken seit fünf Jahren erlaubt zu agieren, damit sie sich den religiösen Liberalen entgegenstellt”.

Man kann sich ihre austauschbaren Worte anhören: Harold Pinter beschreibt Amerika als „ein Land, das von einem Trupp krimineller Irrer geführt wird” und Osama bin Laden nennt das Land „ungerecht, kriminell und tyrannisch”. Noam Chomsky bezeichnet Amerika als einen „führenden Terrorstaat” und Hafiz Hussein Ahmed, ein führender pakistanischer Politiker, nennt ihn „den größten Terrorstaat”. Diese Gemeinsamkeiten reichen aus, um die beiden Seiten zu überzeugen ihre vielen Differenzen zugunsten einer Zusammenarbeit beiseite zu stellen.

Der zweite besteht darin, dass die beiden Seiten die gleichen politischen Ziele haben. Eine gemeinsame Mammut-Demonstration in London im Jahr 2003 gegen den Krieg gegen Saddam Hussein formte symbolisch ihre Allianz. Beide Seiten wollen, dass die Koalitions-Streitkräfte im Irak unterliegen, der Krieg gegen den Terror beendet wird, dass der Antiamerikanismus sich weiter ausbreitet und Israel eliminiert wird.Sie arbeiten an diesen Zielen zusammen bei Treffen wie der jährlichen Kairoer Antikriegs-Konferenz, die Linke und Islamisten zusammenbringt, um „eine internationale Allianz gegen Imperialismus und Zionismus” zu schmieden.

Drittens hat der Islamismus historische und philosophische Verbindungen zum Marxismus-Leninismus. Der ägyptische islamistische Denker Syyid Qutb akzeptierte die marxistische Annahme der Stufen der Geschichte und fügte ihr lediglich ein islamisches Postscriptum an; er sagte vorher, dass eine ewige islamische Ära auf den Zusammenbruch des Kapitalismus und des Kommunismus folgen würde. Ali Shariati, der Schlüsselintellektuelle hinter der iranischen Revolution von 1978/79, übersetzte Franz Fanon, Che Guevara und Jean-Paul Sartre ins Persische. Weiter gefasst stellte der iranische Analyst Azar Nafisi fest, dass der Islamismus „seine Sprache, Ziele und Ambitionen im gleichen Maß aus den krassesten Formen des Marxismus bezieht wie aus der Religion. Seine Führer sind von Lenin, Sartre, Stalin und Fanon genauso beeinflusst wie vom Propheten.”

Beim Übergang von der Theorie zur Realität sehen Marxisten in den Islamisten eine eigenartige Erfüllung ihrer Prophezeiungen. Marx sagte voraus, dass die Geschäftsgewinne in den Industrieländern zusammenbrechen würden, was die Bosse dazu veranlasst die Arbeiter auszuquetschen; das Proletariat würde verarmen, rebellieren und eine sozialistische Ordnung einführen. Aber statt dessen wurde das Proletariat der Industrieländer immer wohlhabender und sein revolutionäres Potenzial verschwand. Die Marxisten warteten, wie Lee Harris anführte, eineinhalb Jahrhunderte vergeblich auf die Krise des Kapitalismus. Dann kamen die Islamisten, angefangen mit der Revolution im Iran, gefolgt von 9/11 und anderen Angriffen auf den Westen. Schließlich hat die Dritte Welt ihre Revolte gegen den Westen begonnen; und damit haben sie marxistische Voraussagen erfüllt – selbst, wenn es unter der falschen Fahne und mit fehlerhaften Zielen. Olivier Besançonneau, ein französischer Linker, betrachtet die Islamisten als „die neuen Sklaven” des Kapitalismus und fragt, ob es nicht natürlich sei, dass „sie sich mit der Arbeiterklasse vereinigten, um das kapitalistische System zu vernichten”. In einer Zeit, da die kommunistische Bewegung sich „im Niedergang” befindet, vermerken der Analyst Lorenzo Vidino und der Journalist Andrea Morigi, dass Italiens „Neue Rote Brigaden” die „führende Rolle der reaktionären Kleriker” anerkennen.

Der vierte Grund ist Macht: Islamisten und Linke können gemeinsam mehr erreichen, als jeder für sich alleine. In Großbritannien formierten sie die Stop the War Coalition, zu deren Steuerungskomitee Repräsentanten aus Organisationen wie der Kommunistischen Partei Großbritanniens und der Muslim Association of Britain gehören. Die britische Respect-Partei verschmilzt den radikalen internationalen Sozialismus mit der islamistischen Ideologie. Die beiden Seiten taten sich für die Wahlen zum Europäischen Parlament im März 2008 zusammen, um in Frankreich und Großbritannien gemeinsame Kandidatenlisten anzubieten, getarnt mit Parteinahmen, die wenig verrieten.

Die Islamisten profitieren insbesondere vom Zugang, der Legitimität, den Fertigkeiten und der Schlagkraft, die die Linke ihnen bietet. Cherie Booth, Ehefrau des damaligen Premierministers Tony Blair, vertrat einen Fall vor einem Berufungsgericht, um einem Mädchen, Shabina Begum, zu helfen, dass sie den Jilbab, ein islamisches Kleidungsstück, in einer britischen Schule tragen zu dürfen. Lynne Stewart, eine linke Rechtsanwältin, brach US-Recht und ging ins Gefängnis, um Omar Abdel Rahmen, dem blinden Scheik, zu helfen in Ägypten die Revolution zu schüren.Volkert van der Graaf, ein Tierrechts-Fanatiker, tötete den niederländischen Politiker Pim Fortuyn, damit er aufhörte Muslime zu „Sündenböcken” zu machen. Vanessa Redgrave gab die Hälfte einer Kaution von £50.000, damit Jamil el-Banna, ein Verdächtiger aus Guantánamo, der beschuldigt wurde Jihadisten zu rekrutieren, damit sie in Afghanistan und Indonesien kämpfen, aus einem britischen Gefängnis frei kam; Redgrave beschrieb ihre Hilfe für al-Banna als „eine große Ehre”, obwohl es in Spanien einen Haftbefehl wegen Terrorismus-Vorwürfen und des Verdachts auf Verbindungen zur Al-Qaida gegen ihn gab. Auf einer weiteren Ebene gesehen erledigte die indische kommunistische Partei für Teheran die dreckige Arbeit, indem sie vier Monate lang dort den Start des israelischen Spionagesatelliten TecSar verhinderte. Außerdem gründeten Linke das International Solidarity Movement (Internationale Solidaritätsbewegung), um israelische Soldaten daran zu hindern das Land gegen die Hamas und andere palästinensische Terroristen zu schützen.

Douglas Davis schrieb im Londoner Spectator und nannte die Koalition „ein Geschenk Gottes für beide Seiten. Die Linke, eine einst schrumpfende Bande Kommunisten, Trotzkisten, Maoisten und Castroisten, die sich an eine marode Sache klammern; die Islamisten konnten Zahlen und Leidenschaft liefern, aber sie brauchten einen Träger, der ihnen das politische Terrain besorgte. Eine taktische Allianz wurde zu einem operationellen Imperativ.” Einfacher drückt das zustimmend ein britischer Linker aus: „Der praktische Nutzen der Zusammenarbeit reicht aus, um die Unterschiede auszugleichen.”

Die wachsende Allianz der westlichen Linken und der Islamisten zählt zu den am meisten Besorgnis erregenden politischen Entwicklungen der Gegenwart, eine, die die Bemühungen des Westens behindert sich zu verteidigen. Als Stalin und Hitler 1939 ihren berüchtigten Vertrag schlossen, bedeutete die rot-braune Allianz eine tödliche Gefahr für den Westen und sogar für die Zivilisation als ganzes dar. Weniger dramatische, aber nicht weniger sicher, bildet die heutige Koalition dieselbe Bedrohung. Wie vor sieben Jahrzehnten muss auch diese offengelegt, abgelehnt, ihr widerstanden und sie besiegt werden.

D.Pipes

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